Haarbürste und Kamm liegen nebeneinander auf einer hellen Ablage im Badezimmer

Wie viele Haare im Herbst normal sind und ab wann nicht

Der Abfluss in der Dusche ist im September das Thema, zu dem mir am häufigsten geschrieben wird. Nach dem Waschen liegt ein Büschel im Sieb, auf dem Kopfkissen finden sich Haare, im Handtuch hängen mehr als sonst. Der erste Gedanke geht dabei selten in Richtung Jahreszeit.

Ein Teil davon ist normaler Haarwechsel, ein Teil ist es nicht. Die Grenze verläuft nicht bei einer bestimmten Zahl, sondern bei Dauer und Muster. Wer beides über ein paar Wochen beobachtet, spart sich entweder Monate an Sorge oder verliert keine Zeit, wenn eine Abklärung angebracht ist.

Die Fragen kommen fast immer in derselben Reihenfolge: wie viel normal ist, wie man zählt, wie lange eine Phase dauern darf und woran man merkt, dass es keine Phase mehr ist. Dieser Text beantwortet sie der Reihe nach. Er ersetzt keine Untersuchung und stellt keine Diagnose.

  • Normaler Rahmen: etwa 70 bis 100 Haare am Tag, verteilt über alle Aktivitäten
  • Saisonale Phase: mehr Verlust ohne sichtbare Abnahme der Dichte
  • Zeitgrenze: über drei Monate deutlich erhöht ist nicht mehr die Jahreszeit
  • Messmethode: gleicher Waschrhythmus, wöchentlich notieren, Trend statt Einzelwert
  • Suchfenster für Auslöser: zwei bis drei Monate vor dem Beginn
  • Sofort abklären: runde kahle Stellen, Juckreiz, Schuppung, Rötung, Schmerz

Wie viele Haare verliert man an einem normalen Tag?

Auf dem Kopf sitzen je nach Haarfarbe und Veranlagung rund 100.000 bis 150.000 Haarfollikel, und jeder davon läuft in einem eigenen Takt. In der Wachstumsphase bleibt ein Haar über Jahre, danach folgt eine kurze Übergangsphase und schließlich eine Ruhephase von etwa zwei bis drei Monaten, an deren Ende es ausfällt.

Weil sich zu jedem Zeitpunkt ungefähr jeder zehnte Follikel in dieser Ruhephase befindet, fallen täglich etwa 70 bis 100 Haare aus. Das ist kein Verlust, sondern ein Austausch: An derselben Stelle beginnt in der Regel ein neues Haar.

Die Zahl ist außerdem kein Tageswert, den man sieht. Wer alle drei Tage wäscht, findet drei Tagesmengen auf einmal im Sieb, und genau daraus entsteht der Eindruck, es sei plötzlich zu viel.

Warum es Haarausfall im Herbst überhaupt gibt

Dass der Haarwechsel jahreszeitlich schwankt, ist in der dermatologischen Literatur seit Langem beschrieben: Der Anteil an Haaren in der Ruhephase erreicht bei vielen Menschen im Spätsommer einen Gipfel, und der sichtbare Ausfall folgt mit einigen Wochen Verzögerung, also im September und Oktober.

Über die Ursache gibt es Vermutungen, aber keine abschließende Erklärung. Diskutiert werden die Tageslichtlänge, die Temperatur und eine Restfunktion aus der Zeit, in der dichteres Haar im Sommer die Kopfhaut beschattet hat. Wer hier eine saubere Kausalkette präsentiert bekommt, sollte skeptisch bleiben, die Datenlage gibt sie nicht her.

Für die Praxis reicht die Beobachtung. Ein erhöhter Haarverlust im Frühherbst ist häufig, betrifft beide Geschlechter und geht in den meisten Fällen von selbst zurück.

Wie zähle ich, ohne den ganzen Tag zu sammeln?

Wasser läuft in einen offenen Duschabfluss aus Metall auf hellen Bodenfliesen
RAJUKHAN SR RAJESH / CC BY-SA 3.0

Haare vom Kissen, aus dem Kamm, vom Pullover und aus dem Abfluss zusammenzutragen, funktioniert genau zwei Tage lang und liefert danach keine vergleichbaren Zahlen mehr. Sinnvoller ist eine Methode, die immer gleich abläuft.

Praktikabel ist der Vergleich am Waschtag: gleicher Abstand zwischen zwei Wäschen, jedes Mal das Sieb ausräumen und die Haare zählen, dazu die aus dem Kamm direkt danach. Einmal pro Woche notieren, sechs Wochen lang. Ergänzend funktioniert der Kämmtest, bei dem eine Minute lang vom Hinterkopf nach vorn über ein helles Handtuch gekämmt wird, dreimal in der Woche zur selben Tageszeit.

Beide Zahlen sind für sich genommen wenig wert. Interessant ist ausschließlich der Verlauf über Wochen. Dazu passt ein Foto vom Scheitel und von den Schläfen, immer an derselben Stelle, bei Tageslicht, einmal im Monat.

Ab welcher Beobachtung wird es auffällig?

Beobachtung Einordnung Was daraus folgt
Bis etwa hundert Haare am Tag im üblichen Rahmen nichts
Deutlich mehr als sonst, Dichte unverändert wahrscheinlich saisonale Phase sechs Wochen beobachten und notieren
Erhöht über mehr als drei Monate nicht mehr mit der Jahreszeit erklärbar Termin vereinbaren
Kopfhaut scheint an einer Stelle durch Muster statt Zufall Termin vereinbaren
Runde kahle Stellen, Juckreiz, Schuppung, Schmerz kein kosmetisches Thema zeitnah ärztlich abklären

Die Tabelle ordnet ein, sie diagnostiziert nicht. Zwei Zeilen können gleichzeitig zutreffen, und in dem Fall gilt immer die untere.

Wie lange darf eine Herbstphase dauern?

Eine saisonal erhöhte Ausfallrate klingt bei den meisten innerhalb von sechs bis zwölf Wochen wieder ab. Der Anstieg ist meist deutlich, der Rückgang eher schleichend, weshalb das Ende schwerer zu bemerken ist als der Anfang.

Bleibt der Verlust über mehr als drei Monate klar erhöht, ist die Jahreszeit als Erklärung verbraucht. Das heißt nicht, dass etwas Ernstes vorliegt, aber es heißt, dass die Ursache woanders liegt und sich lohnt, gesucht zu werden.

Wichtig ist der Bezugspunkt. Wer im September anfängt zu zählen, hat keinen Vergleichswert aus dem Juni. In diesem Fall zählt allein, ob die Zahl über die nächsten Wochen sinkt oder nicht.

Hilfreich ist außerdem der Blick auf die Vorjahre. Wer sich erinnert, dass dasselbe im vorletzten Oktober schon einmal war und im Dezember vorbei, hat damit die beste verfügbare Information über den eigenen Verlauf. Eine kurze Notiz im Kalender kostet nichts und erspart im nächsten Jahr die gesamte Diskussion.

Woran erkenne ich, dass es kein saisonaler Wechsel ist?

Das erste Unterscheidungsmerkmal ist die Dichte. Bei einem saisonalen Wechsel fallen mehr Haare aus, aber die Frisur sieht nach zwei Monaten aus wie vorher. Nimmt die Dichte sichtbar ab, ist das etwas anderes.

Das zweite ist die Verteilung. Ein Wechsel betrifft den gesamten Kopf gleichmäßig. Eine Stelle, an der die Kopfhaut durchscheint, während der Rest unverändert ist, folgt einem Muster.

Das dritte sind Begleitzeichen. Juckreiz, Schuppung, Rötung, Pusteln oder Schmerz gehören nicht zu einem normalen Haarwechsel. Ebenso wenig scharf begrenzte runde Stellen, die innerhalb weniger Wochen entstehen.

Was unterscheidet diffusen Verlust von Geheimratsecken?

Diffuser Verlust verteilt sich über den ganzen Kopf, beginnt oft plötzlich, hat meist einen erkennbaren Auslöser und bildet sich häufig zurück, wenn dieser wegfällt. Die Haarlinie bleibt dabei, wo sie war.

Der anlagebedingte Verlauf sieht anders aus. Er beginnt an den Schläfen und am Wirbel, läuft über Jahre statt über Wochen, und die Haare werden dabei nicht nur weniger, sondern dünner, kürzer und heller. Ein einzelnes Haar wird von Zyklus zu Zyklus feiner, bis es kaum noch zur Dichte beiträgt.

Beides kann gleichzeitig auftreten, und dann fällt der anlagebedingte Verlauf im Herbst zum ersten Mal auf, weil die saisonale Welle ihn sichtbar macht. Das ist einer der häufigsten Gründe, warum Männer zwischen 25 und 40 im Oktober einen Termin machen.

Kann ein Auslöser drei Monate zurückliegen?

Ja, und das ist eher die Regel als die Ausnahme. Wenn ein größerer Anteil der Follikel gleichzeitig in die Ruhephase geschickt wird, fallen diese Haare erst am Ende dieser Phase aus, also typischerweise zwei bis drei Monate später.

Zu den bekannten Auslösern zählen fieberhafte Infekte, Operationen und Narkosen, starker oder rascher Gewichtsverlust, sehr einseitige Ernährung, belastende Lebensereignisse und bestimmte Medikamente. Wer im September einen erhöhten Verlust bemerkt, sucht also im Zeitraum von Juni bis Juli, nicht in der laufenden Woche.

Das erklärt auch, warum der Zusammenhang so oft übersehen wird. Die Grippe im Frühsommer ist längst vergessen, wenn das Sieb voll ist.

Welche Rolle spielen Eisen, Schilddrüse und Vitamin D?

Diese Werte werden bei anhaltendem Haarverlust häufig mitbestimmt, und zwar in der Praxis, nicht in Eigenregie. Sinnvoll ist das, weil ein Mangel behandelbar ist. Unsinnig ist, auf Verdacht zu ergänzen.

Bei Eisen ist das keine akademische Frage: Eine Einnahme ohne nachgewiesenen Mangel bringt nichts und kann bei bestimmten Voraussetzungen schaden. Auch die Grenzwerte, ab denen ein Speicherwert als relevant für das Haar gilt, werden fachlich unterschiedlich bewertet, weshalb die Einordnung in die Hand gehört, die den Befund kennt.

Für alles, was als Nahrungsergänzung mit Haarversprechen verkauft wird, gilt derselbe Maßstab wie in unserem Text zu Supplements für die Haut: Ohne Mangel kein Effekt, und ein Mangel wird gemessen, nicht vermutet.

Bringt ein Koffeinshampoo etwas?

Die Idee dahinter ist nicht abwegig, die Umsetzung hat ein Grundproblem. Ein Shampoo bleibt gut eine Minute auf der Kopfhaut und wird danach vollständig ausgespült. Was in dieser Zeit ankommt, ist wenig, und die verfügbaren Daten dazu sind dünn und stammen überwiegend aus Untersuchungen, die den Herstellern nahestehen.

Schaden tut es in der Regel nicht, und wer es angenehm findet, kann es benutzen. Als Ersatz für eine Abklärung taugt es nicht, und als Grund, drei Monate abzuwarten, erst recht nicht.

Dasselbe gilt für Seren und Tonics mit pflanzlichen Wirkstoffen, die auf der Kopfhaut bleiben. Sie sind kosmetische Mittel, und kosmetische Mittel dürfen nach europäischem Recht pflegen und das Erscheinungsbild verändern, aber keine Erkrankung behandeln. Wenn eine Packung mehr verspricht, verspricht sie zu viel.

Welche Mittel sind belegt und welche nicht?

Mehrere Shampooflaschen stehen nebeneinander auf einem Regalbrett im Verkaufsraum

Für den anlagebedingten Verlauf gibt es in Deutschland zwei zugelassene Wege, und beide gehören in ärztliche oder apothekerliche Beratung. Topisches Minoxidil wird als Lösung oder Schaum auf die Kopfhaut aufgetragen, bei Männern üblicherweise in einer Konzentration von fünf Prozent, und ist in der Apotheke erhältlich. Finasterid in einer Dosierung von einem Milligramm ist verschreibungspflichtig.

Beide haben dokumentierte Nebenwirkungen, beide brauchen Monate, bevor sich überhaupt beurteilen lässt, ob sie etwas bewirken, und bei beiden endet der Effekt mit dem Absetzen. Ob eines davon infrage kommt, entscheidet niemand über einen Artikel, sondern eine Untersuchung.

Deutlich schwächer belegt oder uneinheitlich ist die Datenlage bei Lasergeräten für zu Hause, Eigenblutverfahren und dem größten Teil der oral eingenommenen Präparate. Nicht belegt heißt nicht widerlegt, es heißt: Man weiß es nicht, und das Geld ist trotzdem weg.

Wie oft sollte ich im Herbst waschen?

Waschen verursacht keinen Haarausfall. Ein Haar, das beim Waschen herausgeht, war bereits gelöst und wäre im Lauf des Tages ohnehin gefallen. Seltener zu waschen reduziert die Menge nicht, es bündelt sie nur und macht den Anblick schlimmer.

Sinnvoll sind je nach Kopfhaut ein bis drei Tage Abstand, ein mildes Shampoo, lauwarmes statt heißes Wasser und Massage der Kopfhaut statt Reiben der Längen. Wer zu Schuppen neigt, findet weitere Ansätze in unserem Beitrag zur Pflege der Kopfhaut.

Auf den Kopf gehört im Herbst außerdem etwas mehr Aufmerksamkeit für die Haut selbst. Trockene Heizungsluft und Mützen sind für die Kopfhaut das, was Wind und Kälte für das Gesicht sind.

Was schadet mehr, als es nützt?

Ganz oben steht mechanische Belastung. Kräftiges Rubbeln mit dem Handtuch, Bürsten im nassen Zustand mit harten Borsten, sehr heißes Föhnen aus kurzer Distanz und dauerhaft straff gebundene Frisuren. Der letzte Punkt betrifft auch Männer mit längerem Haar, und der Zug an der Haarlinie ist über Jahre nicht harmlos.

  • Mit dem Handtuch rubbeln statt ausdrücken
  • Nasses Haar mit einer engzinkigen Bürste durchziehen
  • Föhn auf höchster Stufe direkt an der Kopfhaut
  • Täglich straffer Zopf oder Dutt
  • Kopfhaut kratzen, statt die Ursache des Juckreizes zu klären

Ein verbreiteter Irrtum betrifft die Mütze. Sie verursacht keinen Haarausfall. Was sie erzeugt, ist ein feuchtwarmes Klima mit Reibung, und das kann Schuppen und Juckreiz begünstigen. Die Lösung heißt nicht, sie wegzulassen, sondern sie zu waschen und in Innenräumen abzunehmen.

Wann ist der Termin in der Hautarztpraxis fällig?

Fällig ist er bei einem deutlich erhöhten Verlust über mehr als drei Monate, bei sichtbar abnehmender Dichte an einer bestimmten Stelle, bei runden kahlen Arealen und bei jeder Form von Juckreiz, Schuppung, Rötung, Pusteln oder Schmerz auf der Kopfhaut.

Ebenfalls sinnvoll ist er, wenn der Verlust abrupt begann, wenn zusätzlich Müdigkeit, Gewichtsveränderungen oder andere Beschwerden bestehen, oder wenn kurz zuvor ein neues Medikament dazugekommen ist. In die Praxis mitzunehmen sind die notierten Zahlen und die Fotos, denn genau das lässt sich im Gespräch sonst nicht rekonstruieren.

Ein früher Termin hat beim anlagebedingten Verlauf einen einfachen Grund: Erhalten lässt sich nur, was noch da ist. Wer erst nach zwei Jahren kommt, hat weniger Optionen als der, der nach dem zweiten auffälligen Herbst fragt. Wer beim Thema Männerpflege insgesamt neu anfängt, findet die Grundlagen in unserem Einsteiger-Guide zur Hautpflege für Männer.

Häufige Fragen

Wächst das Haar nach einem saisonalen Ausfall wieder nach?

In der Regel ja, weil der Follikel dabei erhalten bleibt und einen neuen Zyklus beginnt. Sichtbar wird das aber erst mit Verzögerung, weil Kopfhaar im Mittel etwa einen Zentimeter im Monat wächst. Neue kurze Haare am Haaransatz sind ein gutes Zeichen und tauchen oft schon auf, bevor die Dichte wieder stimmt.

Woran erkenne ich, ob ein Haar ausgefallen oder abgebrochen ist?

Am Ende. Ein ausgefallenes Haar hat an der Wurzel ein kleines helles Knötchen, ein abgebrochenes endet glatt und ohne Verdickung. Liegen überwiegend abgebrochene Haare im Kamm, ist das ein Pflege- und Belastungsthema und kein Ausfall, und dann helfen andere Maßnahmen.

Spielt die Ernährung eine Rolle?

Bei ausgeprägter Einseitigkeit oder starkem Gewichtsverlust ja, weil der Haarwuchs zu den ersten Funktionen gehört, die der Körper zurückfährt. Bei normaler, abwechslungsreicher Ernährung ist ein zusätzlicher Effekt durch einzelne Lebensmittel nicht zu erwarten. Eine Crashdiät im Juni ist ein plausibler Kandidat für einen erhöhten Verlust im September.

Wie lange dauert es, bis man eine Veränderung sieht?

Mindestens drei bis sechs Monate, egal welcher Weg gewählt wird. Das liegt am Haarzyklus und nicht an der Qualität der Maßnahme. Wer nach vier Wochen bewertet, bewertet zu früh, und wer alle vier Wochen das Mittel wechselt, wird nie erfahren, ob eines davon etwas gebracht hat.

Ist ein Wechsel des Shampoos sinnvoll?

Nur, wenn das bisherige die Kopfhaut reizt oder nicht zu ihr passt. Ein Shampoo beeinflusst den Haarzyklus nicht, es beeinflusst den Zustand der Kopfhaut und die Kämmbarkeit. Milder und häufiger ist meistens besser als aggressiv und selten.

Kann ein kürzerer Schnitt den Verlust bremsen?

Nein, der Ausfall geschieht im Follikel und nicht an der Spitze. Kürzeres Haar ist leichter, fällt weniger auf, wenn es liegt, und lässt eine dünner werdende Stelle optisch weniger deutlich erscheinen. Das ist ein Effekt auf den Anblick, keiner auf den Vorgang selbst.