Entdecke, wie du deinen einzigartigen, persönlichen Duft kreierst! Dieser Artikel führt dich von den Grundlagen der Duftkomposition bis zur praktischen Herstellung deines individuellen Parfums. Tauche ein in die Welt der Kopf-, Herz- und Basisnoten und lerne, wie du mit ätherischen Ölen ein olfaktorisches Meisterwerk erschaffst, das deine Persönlichkeit widerspiegelt.
Wie du deinen persönlichen Duft kreierst: Eine Reise in die Welt der individuellen Aromen
Der persönliche Duft ist mehr als nur ein paar Spritzer Parfum auf die Haut. Er ist eine Einladung, eine unbewusste Botschaft, die wir an die Welt senden. Erinnerst du dich an den Geruch von frisch gebackenem Brot, der dich zurück in die Kindheit versetzt? Oder an das Parfum deiner ersten großen Liebe, dessen bloße Erinnerung ein Lächeln auf dein Gesicht zaubert? Düfte sind auf einzigartige Weise mit Emotionen und Erinnerungen verwoben und können uns auf eine Weise beeinflussen, die oft unterschätzt wird. In einer Welt, in der Individualität und Selbstausdruck immer wichtiger werden, bietet die Kreation eines eigenen Duftes eine wunderbare Möglichkeit, deine Persönlichkeit olfaktorisch zu unterstreichen. Aber wie kreiert man eigentlich seinen eigenen, ganz persönlichen Duft? Lass uns gemeinsam auf diese faszinierende olfaktorische Reise gehen.
Inhaltsverzeichnis
- Die Magie der Düfte verstehen: Eine Einführung in die Duftkomposition
- Warum ein eigener Duft? Die Vorteile der Individualität
- Deine Reise beginnt: Die Vorbereitung
- Schritt-für-Schritt: Dein Duft-Workshop für zu Hause
- Tipps vom Profi: Häufige Fehler vermeiden & Expertise-Hacks
- Deinen Duft tragen und präsentieren: Optimale Anwendung und Lagerung
- Statistiken & Markttrends: Die wachsende Bedeutung des persönlichen Duftes
- Fazit: Dein Duft, deine Botschaft
- FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Duftkreation
Die Magie der Düfte verstehen: Eine Einführung in die Duftkomposition
Bevor wir uns in die praktische Anwendung stürzen, ist es wichtig, ein wenig über die Grundlagen der Düfte zu lernen. Jeder Duft, ob kommerziell oder selbstgemacht, ist eine sorgfältig komponierte Mischung aus verschiedenen aromatischen Bestandteilen, meist ätherischen Ölen oder synthetischen Duftstoffen. Diese werden traditionell in drei Gruppen eingeteilt, die zusammen die sogenannte „Duftpyramide“ bilden: Kopf-, Herz- und Basisnoten.
Kopfnoten: Der erste Eindruck zählt
Kopfnoten sind die ersten Düfte, die du wahrnimmst, nachdem du ein Parfum aufgetragen hast. Sie sind leicht, flüchtig und oft erfrischend. Ihre Aufgabe ist es, die Aufmerksamkeit zu erregen und einen ersten, spritzigen Eindruck zu hinterlassen. Typische Kopfnoten sind frische Zitrusaromen wie Zitrone, Bergamotte, Limette oder Grapefruit, aber auch grüne Noten wie Minze oder Basilikum. Diese Noten verschwinden jedoch schnell, oft schon nach 5 bis 15 Minuten, und machen Platz für die Herznoten.
- Charakteristik: Leicht, frisch, spritzig, flüchtig.
- Beispiele: Zitrone, Bergamotte, Orange, Limette, Grapefruit, Minze, Lavendel (leicht), Petitgrain.
- Funktion: Erster Eindruck, weckt Interesse, leitet über.
Herznoten: Das Herzstück des Duftes
Die Herznoten sind das eigentliche Herzstück eines Duftes, sie entwickeln sich etwa 20 Minuten nach dem Auftragen, sobald die Kopfnoten verflogen sind. Sie sind voller und runder als die Kopfnoten und bilden den eigentlichen Charakter des Parfums. Hier finden sich oft florale oder fruchtige Aromen, die eine Brücke zwischen den flüchtigen Kopf- und den langanhaltenden Basisnoten schlagen. Rosen, Jasmin, Geranie, Ylang-Ylang oder Neroli sind typische Vertreter der floralen Herznoten. Fruchtige Herznoten können Pfirsich, Apfel oder Beeren umfassen. Die Herznoten halten in der Regel mehrere Stunden an.
- Charakteristik: Mittelstark, blumig, fruchtig, würzig, harmonisierend.
- Beispiele: Rose, Jasmin, Geranie, Ylang-Ylang, Neroli, Muskatellersalbei, Koriander, Kardamom.
- Funktion: Bildet den Hauptcharakter des Duftes, überbrückt Kopf- und Basisnoten.
Basisnoten: Die Seele und der Anker
Basisnoten sind die schwersten und langanhaltendsten Bestandteile eines Duftes. Sie treten erst in den Vordergrund, wenn Kopf- und Herznoten bereits teilweise oder ganz verflogen sind, oft erst nach 30 Minuten bis zu einer Stunde. Ihre Aufgabe ist es, dem Duft Tiefe, Wärme und Haltbarkeit zu verleihen. Sie sind der Anker, der den gesamten Duft zusammenhält und oft noch viele Stunden, manchmal sogar Tage, auf der Haut wahrnehmbar bleibt. Typische Basisnoten sind holzige Aromen wie Sandelholz, Zedernholz oder Vetiver, erdige Noten wie Patchouli, warme Noten wie Vanille, Moschus, Amber oder Tonkabohne. Viele Basisnoten wirken auch als natürliche Fixateure, die die flüchtigeren Noten am Verfliegen hindern.
- Charakteristik: Schwer, warm, tief, erdig, holzig, langanhaltend, sinnlich.
- Beispiele: Sandelholz, Zedernholz, Vetiver, Patchouli, Vanille, Moschus, Amber, Tonkabohne, Weihrauch, Benzoe.
- Funktion: Verleiht Tiefe, Haltbarkeit und fixiert den Duft.
Duftfamilien: Eine Landkarte der Aromen
Um deinen persönlichen Duft zu kreieren, ist es hilfreich, die verschiedenen Duftfamilien zu kennen. Sie helfen dir, die Richtung deines Parfums zu bestimmen:
- Zitrisch: Frisch, spritzig, belebend (Zitrone, Bergamotte).
- Floral: Süß, romantisch, pudrig (Rose, Jasmin, Lilie).
- Orientalisch: Warm, würzig, sinnlich (Vanille, Amber, Gewürze).
- Holzig: Erdig, trocken, elegant (Sandelholz, Zedernholz, Vetiver).
- Chypre: Moosig, erdig, frisch (Eichenmoos, Bergamotte, Patchouli).
- Fougère: Frisch, krautig, maskulin (Lavendel, Cumarin, Eichenmoos).
- Gourmand: Süß, essbar, „lecker“ (Vanille, Karamell, Schokolade).
Warum ein eigener Duft? Die Vorteile der Individualität
Die Idee, einen eigenen Duft zu kreieren, mag auf den ersten Blick komplex erscheinen. Doch die Vorteile, die ein maßgeschneidertes Parfum bietet, sind vielfältig und überzeugend:
Individueller Ausdruck und Selbstentfaltung
Dein Duft ist wie eine unsichtbare Visitenkarte. Mit einem selbstkreierten Parfum kannst du deine Persönlichkeit, deine Stimmungen und sogar deine Träume auf eine einzigartige Weise ausdrücken. Es ist eine Form der Selbstentfaltung, die über Kleidung und Make-up hinausgeht und dir erlaubt, eine olfaktorische Signatur zu hinterlassen, die niemand sonst besitzt.
Vermeidung von Massenware und Allergenen
Der kommerzielle Parfummarkt ist riesig, doch viele Düfte ähneln sich oder verwenden synthetische Inhaltsstoffe, die bei sensiblen Menschen Reizungen oder Allergien hervorrufen können. Durch die Eigenkreation hast du die volle Kontrolle über die verwendeten Inhaltsstoffe. Du kannst hochwertige, natürliche ätherische Öle wählen und potenziell irritierende Substanzen meiden. Aus meiner Erfahrung als Fachautorin weiß ich, dass immer mehr Menschen Wert auf Transparenz und Natürlichkeit legen, auch bei ihren Düften.
Kreativität und Achtsamkeit
Der Prozess der Duftkreation ist ein wunderbar kreatives und achtsames Hobby. Es erfordert Geduld, Experimentierfreude und die Bereitschaft, dich auf deine Sinne einzulassen. Es ist eine Pause vom Alltag, bei der du dich voll und ganz auf das Mischen und Riechen konzentrierst. Diese Art der „olfaktorischen Meditation“ kann sehr entspannend und bereichernd sein.
Einzigartige Geschenkidee
Ein selbstgemachter Duft ist ein unglaublich persönliches und durchdachtes Geschenk. Er zeigt, dass du dir Zeit und Mühe genommen hast, etwas Einzigartiges für einen geliebten Menschen zu kreieren, das speziell auf dessen Vorlieben zugeschnitten ist.
Deine Reise beginnt: Die Vorbereitung
Bevor du mit dem eigentlichen Mischen beginnst, sind einige Vorbereitungen notwendig. Eine gute Planung ist der Schlüssel zum Erfolg und erspart dir Frustration.
Inspiration finden: Was soll dein Duft erzählen?
Jeder große Duft hat eine Geschichte. Was soll deiner erzählen? Möchtest du frisch und belebend riechen wie ein Spaziergang am Meer? Sinnlich und warm wie ein Abend am Kamin? Oder blumig und elegant wie ein Frühlingsgarten? Sammle Inspirationen:
- Erinnerungen: Welche Gerüche verbinden dich mit schönen Momenten?
- Natur: Düfte von Blumen, Hölzern, Erde, Regen.
- Stimmungen: Welche Emotion möchtest du mit deinem Duft hervorrufen (Energie, Ruhe, Sinnlichkeit)?
- Lieblingsdüfte: Analysiere kommerzielle Parfums, die dir gefallen. Welche Noten haben sie?
Erstelle ein Moodboard oder eine Liste von Worten und Bildern, die deine Duftvision beschreiben. Dies hilft dir, eine klare Vorstellung zu entwickeln.
Zutaten verstehen & auswählen: Qualität ist entscheidend
Die Qualität deiner Rohstoffe beeinflusst maßgeblich das Endergebnis. Spare hier nicht am falschen Ende.
Ätherische Öle vs. Duftöle
- Ätherische Öle: Dies sind hochkonzentrierte Pflanzenextrakte, die durch Destillation, Kaltpressung oder Extraktion gewonnen werden. Sie sind 100% natürlich und haben oft auch aromatherapeutische Eigenschaften. Sie sind die erste Wahl für hochwertige, natürliche Parfums. Achte auf „reine ätherische Öle“ oder „100% naturrein“.
- Duftöle (Parfumöle): Dies sind synthetisch hergestellte Öle, die oft komplexere Duftprofile bieten und günstiger sind. Sie können aber auch Allergene enthalten und haben keine therapeutische Wirkung. Für den Anfang und zum Experimentieren können sie geeignet sein, für ein wirklich hochwertiges, natürliches Parfum sind sie jedoch nicht ideal.
Trägerstoffe
- Alkohol (Ethanol): Parfumalkohol (Weingeist) mit mindestens 96% Volumenanteil ist der gebräuchlichste Trägerstoff für Parfums. Er ist geruchsneutral, löst ätherische Öle gut auf und verdunstet schnell, wodurch sich die Duftnoten optimal entfalten können. Für die Duftkreation ist er unerlässlich.
- Jojobaöl oder Mandelöl: Für Ölparfums oder Roll-ons eignen sich auch geruchsneutrale Trägeröle. Diese sind milder zur Haut, aber der Duft ist oft weniger intensiv und diffundiert nicht so stark wie bei Alkoholparfums.
Fixateure
Fixateure sind Substanzen, die dazu dienen, die Flüchtigkeit der ätherischen Öle zu reduzieren und die Haltbarkeit des Duftes zu verlängern. Viele Basisnoten wie Sandelholz, Vetiver oder Benzoeharz wirken von Natur aus als Fixateure. Spezielle Fixateure wie Amber- oder Moschus-Tinkturen (oft synthetisch, da natürliche Moschus- und Amber-Gewinnung problematisch ist) können ebenfalls verwendet werden.
Ausrüstung
- Braunglasflaschen: Zum Mischen und Lagern. Dunkles Glas schützt die Öle vor Licht.
- Pipetten: Für präzises Dosieren der ätherischen Öle (eine Pipette pro Öl, um Verunreinigungen zu vermeiden, oder gründlich reinigen).
- Teststreifen: Zum Riechen der einzelnen Noten und Zwischenmischungen.
- Kleine Sprühfläschchen: Für deine fertigen Parfumproben.
- Waage: Eine Feinwaage (auf 0,01 g genau) ist ideal für präzise Rezepturen, aber Tropfenangaben sind für Anfänger auch in Ordnung.
- Notizbuch und Stift: UNERLÄSSLICH! Dokumentiere jeden Schritt, jede Menge und deine Eindrücke.
Sicherheitsaspekte: Deine Gesundheit geht vor!
Ätherische Öle sind hochkonzentriert und können bei unsachgemäßer Anwendung Hautreizungen oder allergische Reaktionen hervorrufen. Aus meiner Erfahrung kann ich nicht genug betonen, wie wichtig es ist, diese Punkte zu beachten:
- Verdünnung: Ätherische Öle NIEMALS unverdünnt auf die Haut auftragen. Immer im Trägerstoff (Alkohol oder Öl) verdünnen.
- Hauttest: Vor der großflächigen Anwendung immer einen Patch-Test in der Armbeuge machen. Warte 24 Stunden auf Reaktionen.
- Lichtempfindlichkeit: Einige Zitrusöle (z.B. Bergamotte, Zitrone) können phototoxisch wirken und bei Sonneneinstrahlung Hautirritationen verursachen. Wähle bergaptenfreie Varianten oder meide die Sonne nach dem Auftragen.
- Schwangerschaft/Krankheiten: Informiere dich über die Verträglichkeit von ätherischen Ölen bei Schwangerschaft, Stillzeit oder bestimmten Krankheiten. Im Zweifel einen Arzt konsultieren.
- Augen und Schleimhäute: Kontakt unbedingt vermeiden.
- Lüften: Sorge für gute Belüftung im Arbeitsbereich.
Schritt-für-Schritt: Dein Duft-Workshop für zu Hause
Jetzt wird es spannend! Mit den vorbereiteten Materialien können wir mit dem eigentlichen Mischen beginnen. Das genaue Mischverhältnis hängt von der gewünschten Duftintensität ab. Für ein Eau de Parfum liegt der Anteil der Duftöle typischerweise zwischen 15-20%, für ein Eau de Toilette bei 5-15% und für ein Eau de Cologne bei 2-5%. Für den Anfang empfehle ich, mit etwa 15-20% Duftölanteil zu starten.
1. Die Basisnoten wählen und mischen (ca. 50-60% des Duftölanteils)
Beginne mit den Basisnoten, da sie die schwersten sind und den längsten Halt bieten. Sie bilden das Fundament deines Duftes. Wähle 2-4 ätherische Öle, die harmonieren und die gewünschte Tiefe und Wärme verleihen.
- Beispiele: Sandelholz, Vanille, Patchouli, Vetiver, Zedernholz, Benzoeharz.
- Vorgehen: Gib die gewünschte Anzahl Tropfen (oder Gramm, falls du eine Waage benutzt) der Basisnoten in dein Mischfläschchen. Nimm dir Zeit, daran zu riechen. Wie verändert sich der Geruch, wenn du ein weiteres Öl hinzufügst?
- Tipp: Sandelholz und Vanille sind wunderbare „Weichmacher“, Patchouli und Vetiver geben eine erdige Tiefe.
2. Die Herznoten hinzufügen (ca. 30-40% des Duftölanteils)
Als Nächstes kommen die Herznoten, die den Charakter deines Parfums prägen. Sie sollen sich harmonisch mit den Basisnoten verbinden und dem Duft seine Seele geben.
- Beispiele: Rose, Jasmin, Geranie, Ylang-Ylang, Neroli, Muskatellersalbei, Koriander.
- Vorgehen: Füge die Herznoten tropfenweise hinzu. Rieche immer wieder an der Mischung. Ziel ist es, eine runde Komposition zu schaffen, die nicht von einer einzelnen Note dominiert wird, es sei denn, das ist beabsichtigt (z.B. ein reiner Rosenduft).
- Tipp: Florale Noten wie Rose oder Jasmin können sehr intensiv sein. Beginne mit wenigen Tropfen und taste dich langsam heran.
3. Die Kopfnoten integrieren (ca. 10-20% des Duftölanteils)
Zuletzt kommen die Kopfnoten hinzu. Sie sorgen für den ersten frischen, spritzigen Eindruck und runden den Duft ab. Da sie sehr flüchtig sind, ist ihr Anteil meist geringer.
- Beispiele: Zitrone, Bergamotte, Limette, Grapefruit, Minze, Petitgrain.
- Vorgehen: Gib die Kopfnoten langsam zur Mischung. Sie sollen den Duft beleben, aber nicht überdecken.
- Tipp: Zitrusöle können schnell dominant wirken. Sei hier besonders vorsichtig mit der Dosierung. Eine bergamottefreie Bergamotte ist ratsam, wenn du dich der Sonne aussetzt.
4. Den Fixateur hinzufügen (optional, aber empfohlen)
Wenn du separate Fixateure verwendest, ist jetzt der Zeitpunkt, sie hinzuzufügen. Einige Tropfen Benzoeharz-Extrakt oder ein hautfreundlicher Amber-Fixateur können die Haltbarkeit deines Duftes erheblich verbessern.
5. Mit Trägerstoff verdünnen: Der Abschluss der Mischung
Sobald du mit der Duftölmischung zufrieden bist, füllst du den Rest des Fläschchens mit Parfumalkohol auf. Das genaue Mischverhältnis sollte notiert werden. Wenn du beispielsweise 20 ml ätherische Öle gemischt hast und ein 100 ml Fläschchen füllen möchtest, gibst du 80 ml Alkohol hinzu. Verschließe das Fläschchen gut und schüttle es vorsichtig, um alles zu vermischen.
- Faustregel für Eau de Parfum: 15-20% Duftölanteil, 80-85% Alkohol.
- Faustregel für Ölparfum (Roll-on): 10-20% Duftölanteil, 80-90% Jojobaöl.
6. Mazeration (Reifung): Die Geduldsprobe
Dieser Schritt ist absolut entscheidend und wird oft unterschätzt. Direkt nach dem Mischen werden die einzelnen Noten oft noch sehr isoliert riechen. Durch die Mazeration (Reifung) verbinden sich die Duftmoleküle miteinander, der Duft „rundet“ sich ab und entwickelt seine volle Komplexität und Harmonie. Aus meiner Erfahrung ist dies der Schritt, der ein gutes Parfum von einem großartigen unterscheidet.
- Vorgehen: Lagere dein Parfumfläschchen an einem kühlen, dunklen Ort (z.B. im Schrank). Schüttle es einmal täglich vorsichtig.
- Dauer: Mindestens 2 Wochen, besser 4-6 Wochen oder sogar länger. Einige Parfümeure lassen ihre Kreationen monatelang reifen.
- Testen: Während der Reifezeit kannst du immer wieder eine kleine Menge auf einen Teststreifen sprühen, um die Entwicklung zu verfolgen.
7. Filtern und Abfüllen
Nach der Mazeration kann es sein, dass sich kleine Partikel abgesetzt haben oder der Duft trüb erscheint. Filtere den Duft durch einen Kaffeefilter oder ein spezielles Parfumfilterpapier. Fülle dein gereiftes Parfum dann in saubere, dunkle Sprühfläschchen ab.
Tipps vom Profi: Häufige Fehler vermeiden & Expertise-Hacks
Als Fachautorin und jemand, der selbst gerne experimentiert, habe ich einige Erfahrungen gesammelt, die ich dir gerne weitergebe, damit deine Duftreise so erfolgreich wie möglich wird.
Geduld ist eine Tugend: Der Duft entwickelt sich
Einer der häufigsten Fehler ist Ungeduld. Ein Parfum ist kein Fertiggericht. Es braucht Zeit zur Reifung. Beurteile deinen Duft niemals sofort nach dem Mischen. Warte die Mazerationszeit ab und sei überrascht, wie sich der Duft entwickelt und verändert.
Dokumentation ist alles: Führe ein Duft-Tagebuch
Jede Mischung, jede Anzahl Tropfen, jede Abweichung vom Plan – notiere alles. Schreibe auf, welche ätherischen Öle du verwendet hast, in welcher Reihenfolge und in welchen Mengen. Vermerke auch deine Eindrücke und Beobachtungen während der Reifezeit. Nur so kannst du erfolgreiche Mischungen reproduzieren und aus Fehlern lernen. Aus meiner Erfahrung ist dies der wichtigste Tipp überhaupt!
Qualität der Rohstoffe: Investieren lohnt sich
Billige ätherische Öle sind oft gestreckt, verunreinigt oder von minderer Qualität. Das Ergebnis ist ein flacher, wenig komplexer Duft, der schnell verfliegt. Investiere in hochwertige, naturreine ätherische Öle von renommierten Anbietern. Du wirst den Unterschied riechen!
Testen auf der Haut: Die individuelle Chemie
Ein Duft riecht auf einem Teststreifen oder im Fläschchen anders als auf der Haut. Das liegt an der individuellen Hautchemie, dem pH-Wert und sogar der Körpertemperatur. Teste deinen Duft daher immer auf deiner Haut (nach einem Patch-Test!). Sprühe eine kleine Menge auf das Handgelenk und gib ihm Zeit, sich zu entwickeln.
Überdosierung: Weniger ist oft mehr
Es ist verlockend, viele verschiedene Öle zu mischen, aber oft führt dies zu einem „überladenen“ oder unharmonischen Duft. Konzentriere dich auf eine überschaubare Anzahl von Noten (z.B. 2-3 Basis, 2-3 Herz, 1-2 Kopf). Ein einfacher, gut komponierter Duft ist oft wirkungsvoller als ein überkomplexer. Beginne mit wenigen Tropfen und steigere dich langsam.
Sicherheitsvorkehrungen: Bleibe achtsam
Wiederhole ich gerne: Ätherische Öle sind potent. Halte sie von Kindern und Haustieren fern. Arbeite in einem gut belüfteten Raum. Wasche dir nach dem Kontakt mit unverdünnten Ölen gründlich die Hände. Im Falle von Hautreizungen die betroffene Stelle mit einem Trägeröl (z.B. Mandelöl) abtupfen, nicht mit Wasser, da Öle nicht wasserlöslich sind.
Layering als Erweiterung der Duftkreation
Sobald du deinen Basisduft hast, kannst du mit dem sogenannten „Layering“ experimentieren. Das bedeutet, du kombinierst deinen selbstgemachten Duft mit anderen duftenden Produkten, um eine noch komplexere und individuellere Duftsignatur zu kreieren. Dies kann eine unparfümierte Bodylotion sein, der du einen Tropfen deiner Lieblingsbasisnote hinzufügst, oder ein Duschgel mit einer passenden Kopfnote.
Studien aus dem Jahr 2023 zeigen, dass der Trend zur Personalisierung im Beauty-Bereich stark zunimmt, und Layering ist hier ein Schlüsselkonzept. Es ermöglicht dir, deinen Duft an verschiedene Anlässe oder Stimmungen anzupassen, ohne gleich ein neues Parfum mischen zu müssen.
Deinen Duft tragen und präsentieren: Optimale Anwendung und Lagerung
Dein Duft ist fertig – herzlichen Glückwunsch! Aber wie trägst du ihn am besten und wie sorgst du dafür, dass er lange hält?
Auftragsorte: Wo der Duft am besten zur Geltung kommt
Parfum entfaltet sich am besten an warmen Stellen des Körpers, wo die Haut gut durchblutet ist:
- Hals und Nacken
- Handgelenke (nicht verreiben!)
- Hinter den Ohrläppchen
- Auf der Brust oder dem Dekolleté
- Kniekehlen
Ein leichter Sprühstoß in die Haare oder auf die Kleidung (Vorsicht bei empfindlichen Stoffen!) kann die Sillage (Duftschleppe) erhöhen, aber der Duft kann sich auf der Haut am besten entwickeln.
Haltbarkeit optimieren: So bleibt dein Duft länger
- Feuchtigkeit: Trage Parfum immer auf gut befeuchtete Haut auf. Eine unparfümierte Bodylotion kann Wunder wirken, da sie die Haut mit Feuchtigkeit versorgt und eine „Basis“ für den Duft schafft.
- Nicht verreiben: Wenn du Parfum auf die Handgelenke sprühst, reibe sie nicht aneinander. Das zerstört die Duftmoleküle und verkürzt die Haltbarkeit.
- Weniger ist mehr: Ein zu viel an Parfum kann überwältigend wirken. Beginne mit 1-2 Sprühstößen und passe die Menge bei Bedarf an.
Lagerung: So bleibt dein Parfum frisch
Licht, Wärme und Luft sind die größten Feinde deines Parfums. Um die Qualität und Haltbarkeit deines selbstgemachten Duftes zu gewährleisten:
- Kühl und dunkel: Lagere das Fläschchen an einem kühlen, dunklen Ort, idealerweise in der Originalverpackung oder einer Schublade. Das Badezimmer ist wegen der Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit ungeeignet.
- Luftdicht verschlossen: Sorge dafür, dass der Verschluss immer fest sitzt, um das Eindringen von Luft und das Verflüchtigen der Aromen zu verhindern.
- Dunkles Glas: Deshalb sind Braunglasflaschen so wichtig, sie schützen vor UV-Strahlung.
