Wenn Sie zu trockener, dehydrierter oder spannender Haut neigen, kennen Sie das Gefühl: Egal welche Feuchtigkeitscreme Sie verwenden, die Haut fühlt sich schon wenige Stunden später wieder trocken an. Die Lösung könnte ein Skincare-Trend sein, der auf den sozialen Medien für Aufsehen sorgt und mittlerweile auch von Dermatologen empfohlen wird: Skin Flooding. Diese Technik der gezielten Feuchtigkeitsschichtung verspricht ein Ende der Trockenheit – und hält dieses Versprechen bei korrekter Anwendung auch tatsächlich ein.
Was ist Skin Flooding?
Skin Flooding, zu Deutsch etwa „Haut-Überflutung“, ist eine Methode, bei der mehrere feuchtigkeitsspendende Produkte in einer bestimmten Reihenfolge aufgetragen werden, um die Haut regelrecht mit Feuchtigkeit zu durchdränken. Das Prinzip basiert auf dem Schichtungsprinzip: Jede Schicht baut auf der vorherigen auf und verstärkt deren Wirkung. Die letzte Schicht versiegelt die gesamte Feuchtigkeit in der Haut.
Der Begriff wurde von der amerikanischen Dermatologin Dr. Whitney Bowe populär gemacht, die die Methode in ihren Social-Media-Kanälen vorstellte und wissenschaftlich untermauerte. Seitdem hat sich Skin Flooding zu einem der beliebtesten Hautpflege-Trends weltweit entwickelt.
Skin Flooding vs. Slugging vs. 7-Skin-Methode
Skin Flooding wird häufig mit zwei anderen Feuchtigkeitsstrategien verwechselt: dem Slugging und der 7-Skin-Methode. Die Unterschiede sind jedoch erheblich:
Slugging
Beim Slugging wird eine dicke Schicht Vaseline oder Petrolatum als letzte Pflegeschicht aufgetragen, um die Haut über Nacht wie ein okklusiver Film zu versiegeln. Der Nachteil: Das Gefühl ist sehr fettig und schmierig (daher der Name „Slug“ = Schnecke), die Poren können verstopfen, und für fettige oder zu Unreinheiten neigende Haut ist die Methode ungeeignet. Skin Flooding hingegen nutzt leichtere okkulsive Schichten und ist für deutlich mehr Hauttypen verträglich.
7-Skin-Methode
Die aus Korea stammende 7-Skin-Methode sieht vor, dass ein und dasselbe Toner-Produkt in bis zu sieben Schichten aufgetragen wird. Die Idee ist gut, aber die Ausführung monoton: Es wird nur ein Produkttyp verwendet, und die Versiegelung der Feuchtigkeit fehlt oft. Skin Flooding dagegen nutzt verschiedene Produktkategorien – vom leichten Toner über Serum bis zur reichhaltigen Creme – und erzielt dadurch eine mehrdimensionale Feuchtigkeitsversorgung.
Die Wissenschaft hinter Skin Flooding
Skin Flooding funktioniert aufgrund eines einfachen dermatologischen Prinzips: Die Haut nimmt Feuchtigkeit am besten auf, wenn sie bereits feucht ist. Wenn Sie Produkte auf noch feuchte Haut auftragen und jede Schicht einziehen lassen, bevor die nächste folgt, entsteht ein kumulativer Feuchtigkeitseffekt.
Die verschiedenen Produkttypen erfüllen dabei unterschiedliche Funktionen:
- Humektantien (z.B. Hyaluronsäure, Glycerin, Urea): Ziehen Wasser aus der Umgebung und den tieferen Hautschichten an die Oberfläche
- Emollients (z.B. Squalan, Jojobaöl, Ceramide): Glätten die Hautoberfläche und füllen Lücken in der Hautbarriere
- Okklusiva (z.B. Sheabutter, Bienenwachs, Petrolatum): Bilden eine Schutzschicht, die das Verdunsten der Feuchtigkeit verhindert
Skin Flooding nutzt alle drei Kategorien in der richtigen Reihenfolge – und genau das macht die Methode so wirkungsvoll. Die Feuchtigkeit wird nicht nur zugeführt, sondern auch eingeschlossen und gehalten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So funktioniert Skin Flooding
Schritt 1: Gründliche, sanfte Reinigung
Beginnen Sie mit einem milden Reinigungsprodukt, das die Haut nicht austrocknet. Ideal sind cremige oder ölige Reiniger ohne Sulfate. In Deutschland eignen sich beispielsweise die Cetaphil Reinigungslotion, der CeraVe Feuchtigkeitsspendende Reinigungslotion oder der La Roche-Posay Toleriane Dermo-Cleanser. Vermeiden Sie schäumende Reiniger, da diese der Haut Fett entziehen.
Wichtig: Tupfen Sie die Haut nur leicht ab, sodass sie noch feucht ist – nicht tropfnass, nicht trocken. Diese Restfeuchtigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg.
Schritt 2: Hydratisierender Toner oder Essenz
Auf die noch feuchte Haut tragen Sie einen feuchtigkeitsspendenden Toner auf. Keine adstringierenden oder alkoholhaltigen Toner – diese würden den gegenteiligen Effekt erzielen. Suchen Sie nach Produkten mit Hyaluronsäure, Panthenol oder Aloe vera.
Empfehlungen für den deutschen Markt:
- COSRX Full Fit Propolis Synergy Toner (bei Douglas oder online erhältlich)
- Hada Labo Gokujyun Premium Lotion (japanischer Toner, online bestellbar)
- Paula’s Choice Enriched Calming Toner
- Balea Beauty Expert Liquid Peeling AHA (dm, günstige Alternative)
Klopfen Sie den Toner sanft mit den Fingerspitzen in die Haut ein. Sie können zwei bis drei Schichten auftragen, wobei jede Schicht kurz einziehen sollte, bevor die nächste folgt.
Schritt 3: Hyaluronsäure-Serum
Jetzt kommt der Hauptakteur: Ein Serum mit Hyaluronsäure. Hyaluronsäure ist ein Humektant, der das Tausendfache seines Eigengewichts an Wasser binden kann. Achten Sie auf Produkte, die verschiedene Molekülgrößen enthalten (niedrig-, mittel- und hochmolekular), um verschiedene Hautschichten zu erreichen.
Bewährte Produkte:
- The Ordinary Hyaluronic Acid 2% + B5 (bei Douglas, Flaconi oder direkt online)
- Eucerin Hyaluron-Filler Feuchtigkeits-Booster
- La Roche-Posay Hyalu B5 Serum
- CeraVe Hyaluronsäure Serum
Tragen Sie drei bis vier Tropfen auf die noch feuchte, mit Toner vorbereitete Haut auf und verteilen Sie das Serum durch sanftes Drücken mit den Handflächen.
Schritt 4: Niacinamid oder Peptidserum (optional)
Für einen zusätzlichen Feuchtigkeits- und Reparaturboost können Sie ein Niacinamid-Serum einschichten. Niacinamid (Vitamin B3) stärkt die Hautbarriere und unterstützt die Ceramidproduktion. Alternativ eignet sich ein Peptidserum, das die kollagene Matrix der Haut unterstützt.
Schritt 5: Reichhaltige Feuchtigkeitscreme
Nun folgt die Emollient-Schicht – eine reichhaltige Feuchtigkeitscreme, die die vorherigen Schichten versiegelt und die Hautbarriere stärkt. Suchen Sie nach Produkten mit Ceramiden, Squalan, Sheabutter oder Cholesterol.
Top-Empfehlungen:
- CeraVe Feuchtigkeitsspendende Gesichtscreme (mit drei essentiellen Ceramiden)
- La Roche-Posay Cicaplast Baume B5+ (besonders bei strapazierter Haut)
- Eucerin UltraSensitive Beruhigende Pflege
- Weleda Skin Food (reichhaltig, ideal für sehr trockene Haut)
Schritt 6: Okklusives Finish (abends)
Am Abend können Sie optional eine dünne Schicht eines okklusiven Produkts als Versiegelung auftragen. Das muss nicht die dicke Vaseline-Schicht des Slugging sein – ein leichtes Gesichtsöl wie Squalan oder eine dünne Schicht Aquaphor reicht völlig aus. Morgens entfällt dieser Schritt, da Sie stattdessen Sonnenschutz als Abschluss verwenden.
Für welche Hauttypen eignet sich Skin Flooding?
Ideal geeignet
- Trockene Haut: Profitiert am meisten von der intensiven Feuchtigkeitsschichtung
- Dehydrierte Haut (auch bei fettigem Hauttyp!): Ja, auch fettige Haut kann dehydriert sein
- Reife Haut: Die natürliche Feuchtigkeitsversorgung lässt mit dem Alter nach
- Empfindliche Haut: Solange sanfte, parfümfreie Produkte verwendet werden
- Haut nach aggressiven Behandlungen: Nach chemischen Peelings, Retinol-Einführung oder Lasertherapie
Mit Vorsicht anwenden
- Fettige, zu Akne neigende Haut: Hier sollte die okkulsive Schicht weggelassen und leichtere Produkte gewählt werden
- Haut mit aktiven Entzündungen: Bei offener Akne oder Ekzemen erst den Dermatologen konsultieren
- Fungal Acne: Bestimmte Inhaltsstoffe wie einige Öle können Malassezia-Pilze füttern
Wann sollte man Skin Flooding durchführen?
Die Methode eignet sich besonders für die Abendroutine, da die Haut über Nacht Zeit hat, die Feuchtigkeit aufzunehmen, und die okklusive Schicht nicht unter Make-up stört. Morgens können Sie eine verkürzte Version anwenden: Toner, Serum, leichte Feuchtigkeitscreme, Sonnenschutz.
Besonders empfehlenswert ist Skin Flooding in folgenden Situationen:
- Im Winter, wenn trockene Heizungsluft die Haut strapaziert
- Nach Flugreisen, da die Kabinenluft extrem trocken ist
- Während der Eingewöhnung an Retinol, um Trockenheit und Schälen zu minimieren
- Nach Sonnenbrand (ohne okklusive Schicht, um Hitzestau zu vermeiden)
Ergebnisse: Was können Sie erwarten?
Die meisten Anwender berichten von sofortigen Verbesserungen nach der ersten Anwendung: Die Haut fühlt sich praller, geschmeidiger und beruhigter an. Langfristige Ergebnisse – wie eine verbesserte Hautbarriere, weniger Rötungen und ein gleichmäßigeres Hautbild – zeigen sich typischerweise nach zwei bis vier Wochen konsequenter Anwendung.
Ein realistischer Zeitplan:
- Sofort: Spannungsgefühl verschwindet, Haut fühlt sich weich und genährt an
- 1 Woche: Weniger trockene Stellen, gleichmäßigerer Hautton
- 2-3 Wochen: Verbesserte Hautbarriere, weniger Empfindlichkeit
- 4-6 Wochen: Sichtbar prallere, strahlendere Haut mit weniger feinen Linien
Häufige Fehler beim Skin Flooding
Damit die Methode optimal wirkt, sollten Sie diese typischen Fehler vermeiden:
- Zu viele Aktive einschichten: Skin Flooding ist eine Feuchtigkeitsstrategie, kein Anlass, zehn Wirkstoffe gleichzeitig aufzutragen. Verzichten Sie während des Floodings auf AHA, BHA, Retinol oder Vitamin C.
- Produkte auf trockene Haut auftragen: Der Schlüssel ist die feuchte Haut. Trocknen Sie nach der Reinigung nicht vollständig ab.
- Zu lange zwischen den Schichten warten: Tragen Sie die nächste Schicht auf, während die vorherige noch leicht feucht ist – nicht erst, wenn sie komplett eingezogen ist.
- Ungeeignete Produkte verwenden: Alkoholhaltige Toner, austrocknende Reiniger oder komedogene Öle untergraben den Effekt.
Skin Flooding ist eine einfache, wissenschaftlich fundierte Methode, die mit den richtigen Produkten und etwas Geduld selbst die trockenste Haut in eine geschmeidige, strahlende Haut verwandeln kann. Probieren Sie es aus – Ihre Haut wird es Ihnen danken.
