Wenn es um Sonnenschutz geht, haben viele Männer eine klare Haltung: unnötig, unmännlich oder einfach zu umständlich. Diese Einstellung ist nicht nur veraltet – sie ist gefährlich. Statistiken zeigen, dass Männer in Deutschland deutlich häufiger an Hautkrebs erkranken und sterben als Frauen. Und selbst wenn wir das Krebsrisiko beiseitelassen: UV-Strahlung ist der Hauptgrund für vorzeitige Hautalterung. In diesem Artikel räumen wir mit Mythen auf und zeigen, wie moderner Sonnenschutz in jede Männerroutine passt – ohne zu kleben, zu weißeln oder zu nerven.
Hautkrebs bei Männern: Die alarmierenden Zahlen
Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache und sollten jeden Mann zum Umdenken bewegen:
- In Deutschland erkranken jährlich über 300.000 Menschen neu an Hautkrebs – Tendenz steigend
- Männer haben ein signifikant höheres Risiko für das maligne Melanom, die gefährlichste Form des Hautkrebses
- Die Sterblichkeitsrate bei Männern ist bei Hautkrebs deutlich höher als bei Frauen
- Besonders betroffen sind Männer über 50, die in ihrer Jugend viel ungeschützt in der Sonne waren
- Die häufigsten Stellen für Hautkrebs bei Männern: Kopf, Nacken, Ohren und Unterarme – Bereiche, die oft ungeschützt der Sonne ausgesetzt sind
Warum Männer besonders gefährdet sind
Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass Männer ein höheres Hautkrebsrisiko haben:
- Geringere Verwendung von Sonnenschutz: Studien zeigen, dass nur etwa 14 Prozent der Männer regelmäßig Sonnenschutz im Gesicht verwenden – verglichen mit über 30 Prozent der Frauen
- Mehr Zeit in der Sonne: Durch Outdoor-Aktivitäten, Sport und bestimmte Berufe sind Männer oft länger der UV-Strahlung ausgesetzt
- Weniger Schutzkleidung: Männer tragen seltener Hüte oder langärmelige Kleidung als Schutz vor der Sonne
- Spätere Diagnose: Männer gehen seltener zur Vorsorge und bemerken verdächtige Hautveränderungen oft erst in fortgeschrittenem Stadium
- Weniger Hautpflege-Routine: Ohne eine bestehende Skincare-Routine wird Sonnenschutz seltener in den Alltag integriert
UV-Strahlung verstehen: UVA, UVB und ihre Wirkung
Um die Notwendigkeit von Sonnenschutz zu verstehen, ist ein grundlegendes Wissen über UV-Strahlung hilfreich.
UVB-Strahlen (die „Brand-Strahlen“)
UVB-Strahlen sind für den Sonnenbrand verantwortlich. Sie dringen in die obere Hautschicht (Epidermis) ein und verursachen dort direkte DNA-Schäden. Der Lichtschutzfaktor (LSF oder SPF) auf Sonnenschutzprodukten bezieht sich primär auf den Schutz vor UVB-Strahlung.
UVA-Strahlen (die „Alterungs-Strahlen“)
UVA-Strahlen dringen tiefer in die Haut ein und erreichen die Dermis, wo sich Kollagen und Elastin befinden. Sie sind hauptverantwortlich für die vorzeitige Hautalterung (Photoaging): Falten, Pigmentflecken und Elastizitätsverlust. UVA-Strahlen durchdringen auch Wolken und Fensterglas – sie wirken also auch an bewölkten Tagen und in Innenräumen nahe Fenstern.
Wichtig: Ein guter Sonnenschutz muss sowohl UVA als auch UVB filtern. Achten Sie auf das UVA-Siegel (Kreissymbol) auf der Verpackung oder die Bezeichnung „Breitbandschutz“.
Warum Männer Sonnenschutz überspringen – und warum alle Ausreden hinfällig sind
„Sonnencreme ist klebrig und fettig“
Realität: Das war vielleicht vor 15 Jahren so. Moderne Sonnenschutzformeln sind ultraleicht, mattierend und unsichtbar. Gel-Cremes, Fluids und Sprays fühlen sich an wie eine leichte Feuchtigkeitspflege – kein Vergleich mit den dicken, weißen Cremes der Vergangenheit.
„Im Büro brauche ich keinen Sonnenschutz“
Realität: UVA-Strahlen durchdringen Fensterglas. Wenn Sie an einem Fensterplatz arbeiten oder täglich pendeln, sind Sie UV-Strahlung ausgesetzt. Außerdem: Der Weg zum Büro, die Mittagspause, der Weg nach Hause – die kumulative UV-Exposition summiert sich erheblich.
„Ich werde eh braun, das schützt mich“
Realität: Eine Bräune entspricht etwa einem LSF von 3-4 – das ist praktisch kein Schutz. Außerdem ist jede Bräune bereits ein Zeichen für UV-Schaden in der Haut. Es gibt keine „gesunde“ Bräune.
„Sonnencreme ist nur im Sommer nötig“
Realität: UV-Strahlung wirkt das ganze Jahr über. Im Winter wird sie durch Schnee sogar verstärkt reflektiert. Im Frühling ist die UV-Strahlung oft stärker als viele denken. Dermatologen empfehlen ganzjährigen Sonnenschutz im Gesicht.
„Sonnenschutz blockiert Vitamin D“
Realität: Studien zeigen, dass selbst bei konsequenter Sonnenschutzverwendung genug UV-Strahlung die Haut erreicht, um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Zudem: In Deutschland empfehlen Ärzte ohnehin eine Vitamin-D-Supplementierung in den Wintermonaten (Oktober bis März), da die UV-Strahlung für die Vitamin-D-Produktion nicht ausreicht.
Die besten Sonnenschutzprodukte für Männer in Deutschland
Die folgenden Produkte wurden speziell nach Kriterien ausgewählt, die Männern wichtig sind: leichte Textur, kein Weißeln, schnelles Einziehen, mattierender Effekt.
Premium-Empfehlungen
- Eucerin Oil Control Sun Gel-Creme LSF 50+ (ca. 18,99 €) – Der absolute Favorit für Männer. Diese Gel-Creme hat eine ultraleichte, mattierende Textur, die speziell für ölige und Mischhaut entwickelt wurde. Kein Weißeln, kein klebriges Gefühl. Mit Anti-Glanz-Effekt durch Licocalchone A und Glycyrrhetinsäure. Hält auch bei Schweiß gut.
- La Roche-Posay Anthelios Invisible Fluid LSF 50+ (ca. 19,90 €) – Ultraleichtes Fluid, das sich anfühlt wie Wasser auf der Haut. Extrem hoher UVA-Schutz (PPD 46). Perfekt unter Make-up oder solo. Für alle Hauttypen geeignet, besonders für empfindliche Haut.
- La Roche-Posay Anthelios Oil Correct Gel-Creme LSF 50+ (ca. 22,90 €) – Speziell für ölige, zu Unreinheiten neigende Haut. Enthält Salicylsäure, Niacinamid und Zink – schützt vor der Sonne und pflegt gleichzeitig.
- Eucerin Sun Allergy Protect Gel-Creme LSF 50 (ca. 19,99 €) – Ideal für Männer mit Sonnenallergie (Polymorphe Lichtdermatose). Leichte Gelformel.
Budget-Empfehlungen
- Balea Sun Gesicht Sonnencreme LSF 50 (dm, ca. 3,95 €) – Unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Wurde von Stiftung Warentest wiederholt mit „sehr gut“ bewertet. Etwas reichhaltiger als die Premium-Optionen, aber trotzdem gut verträglich.
- Cien Sun Sonnencreme Gesicht LSF 50 (Lidl, ca. 3,49 €) – Ebenfalls Testsieger bei Stiftung Warentest. Günstig und effektiv.
- Nivea Sun UV Gesicht Mattierender Sonnenschutz LSF 50 (ca. 8,99 €) – Mit mattierendem Effekt, gut für den täglichen Gebrauch.
2-in-1 Feuchtigkeitscreme mit LSF
Für Männer, die ihre Routine minimal halten möchten, gibt es Feuchtigkeitscremes mit integriertem Sonnenschutz:
- Eucerin Hyaluron-Filler Tagespflege LSF 30 (ca. 26,99 €) – Anti-Aging und Sonnenschutz in einem
- La Roche-Posay Hydreane BB Creme LSF 20 (ca. 16,90 €) – Leichte Tönung, gleicht den Hautton aus, spendet Feuchtigkeit
- Nivea Men Sensitive Gesichtspflege Creme LSF 15 (ca. 6,99 €) – Für den Winter oder Bürotage als Basisschutz ausreichend
Wichtiger Hinweis: Feuchtigkeitscremes mit LSF bieten oft weniger Schutz als reine Sonnenschutzprodukte, da die meisten Menschen sie zu dünn auftragen. Im Sommer und bei direkter Sonneneinstrahlung sollten Sie immer ein dediziertes Sonnenschutzprodukt mit LSF 30-50 verwenden.
Sport und Outdoor-Aktivitäten: Sonnenschutz, der hält
Für aktive Männer, die laufen, Rad fahren, wandern oder anderen Outdoor-Sport betreiben, gibt es besondere Anforderungen an den Sonnenschutz:
Wasserfeste und schweißresistente Formeln
- Eucerin Sensitive Protect Sun Spray Transparent Dry Touch LSF 50 (ca. 19,99 €) – Sprühformel, die schnell einzieht und auch am Körper praktisch ist
- La Roche-Posay Anthelios Wet Skin Gel LSF 50+ (ca. 22,90 €) – Kann sogar auf nasser Haut aufgetragen werden – perfekt für Wassersport
- Ladival Aktiv Sonnenschutz Spray LSF 50+ (Apotheke, ca. 20,99 €) – Speziell für Sportler entwickelt, extra schweißresistent
Sonnenschutz für die Kopfhaut
Ein oft vergessener Bereich: die Kopfhaut, besonders bei Männern mit lichtem Haar oder Glatze. Hier hilft:
- Ein Sonnenschutzspray, das sich leicht auftragen lässt, ohne die Haare zu verkleben
- Eine Kappe oder ein Hut als zusätzlicher physischer Schutz
- Balea Sun Kopfhaut Sonnenschutz Spray LSF 30 (dm, ca. 4,95 €)
Richtig auftragen und nachcremen
Der beste Sonnenschutz nützt nichts, wenn er falsch angewendet wird. Hier sind die wichtigsten Regeln:
Die richtige Menge
Für das Gesicht benötigen Sie etwa einen halben Teelöffel (ca. 1,25 ml) Sonnencreme. Die meisten Menschen tragen viel zu wenig auf und erreichen dadurch nur einen Bruchteil des angegebenen Lichtschutzfaktors. Die „Zwei-Finger-Regel“ ist ein guter Richtwert: Eine Linie Sonnencreme auf Zeige- und Mittelfinger reicht fürs Gesicht und den Hals.
Timing
- Chemische Filter: 20-30 Minuten vor dem Rausgehen auftragen, damit sie in die Haut einziehen und aktiviert werden
- Mineralische Filter: Wirken sofort nach dem Auftragen
- Morgens als letzten Schritt der Hautpflege auftragen, nach Feuchtigkeitscreme und Serum
Nachcremen
Sonnenschutz hält nicht den ganzen Tag. Cremen Sie nach:
- Alle 2 Stunden bei direkter Sonneneinstrahlung
- Sofort nach dem Schwimmen oder starkem Schwitzen
- Nach dem Abtrocknen mit einem Handtuch
Praktischer Tipp fürs Büro: Sonnenschutzsprays oder -puder sind ideal zum Nachcremen über dem bestehenden Sonnenschutz, ohne die Haut fettig zu machen oder das Gesicht neu eincremen zu müssen.
Vergessene Bereiche: Die häufigsten Sonnenschutz-Lücken bei Männern
Diese Stellen werden besonders oft vergessen und sind daher besonders anfällig für Sonnenschäden:
- Ohren: Besonders die Ohrspitzen und der obere Rand – ein häufiger Ort für Hautkrebs bei Männern
- Nacken: Vor allem bei kurzem Haarschnitt stark exponiert
- Lippen: Verwenden Sie einen Lippenpflegestift mit LSF (z.B. Labello Sun Protect LSF 30)
- Handrücken: Immer der Sonne ausgesetzt, aber selten eingecremt
- Kopfhaut: Besonders am Scheitel und bei lichtem Haar
- Füße und Knöchel: Im Sommer mit Sandalen oft vergessen
Hautkrebs-Vorsorge: Der ABCDE-Check
Neben dem Sonnenschutz ist die regelmäßige Selbstkontrolle der Haut entscheidend. Prüfen Sie Ihre Muttermale und Hautveränderungen nach der ABCDE-Regel:
- A – Asymmetrie: Das Mal ist ungleichmäßig geformt
- B – Begrenzung: Die Ränder sind unregelmäßig, ausgefranst oder unscharf
- C – Color (Farbe): Verschiedene Braun-, Schwarz- oder Rottöne innerhalb eines Mals
- D – Durchmesser: Größer als 6 mm oder schnell wachsend
- E – Erhabenheit/Entwicklung: Das Mal verändert sich in Form, Größe oder Farbe
Wichtig: In Deutschland hat jeder gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren Anspruch auf ein kostenloses Hautkrebs-Screening alle zwei Jahre. Viele Krankenkassen bieten diese Vorsorge sogar schon ab 20 Jahren an. Nutzen Sie dieses Angebot – es kann Leben retten.
Fazit: SPF ist das beste Anti-Aging-Produkt
Sonnenschutz ist kein Frauending, kein Sommerding und kein optionales Extra – er ist die wichtigste Investition in Ihre Hautgesundheit. Mit modernen, leichten Formeln gibt es keine Ausrede mehr, SPF nicht in die tägliche Routine zu integrieren.
Die Fakten sind eindeutig: Täglicher Sonnenschutz reduziert das Hautkrebsrisiko, verlangsamt die Hautalterung um Jahre und schützt vor Pigmentflecken. Und das Beste: Es ist eine der einfachsten und günstigsten Gesundheitsmaßnahmen, die es gibt. Eine Tube Sonnenschutz von dm für unter 4 Euro kann mehr für Ihre Haut tun als jedes teure Anti-Aging-Serum.
Machen Sie Sonnenschutz zu einer Gewohnheit wie Zähneputzen – jeden Tag, ohne Ausnahme. Ihre Haut in 10, 20 und 30 Jahren wird es Ihnen danken. Und wenn Sie noch nie beim Hautkrebs-Screening waren: Vereinbaren Sie noch diese Woche einen Termin bei Ihrem Dermatologen. Prävention ist der beste Schutz.
