AHA, BHA, PHA: Welche Säure ist die richtige für dich?

Chemische Peelings verstehen: Dein Weg zu strahlender Haut

Säuren in der Hautpflege – das klingt zunächst beunruhigend. Doch chemische Exfoliants gehören zu den effektivsten Wirkstoffen, die die moderne Dermatologie zu bieten hat. Sie entfernen abgestorbene Hautzellen sanfter und gleichmäßiger als jedes mechanische Peeling, regen die Zellerneuerung an, verfeinern die Poren und können sogar Pigmentflecken aufhellen. Doch die Vielfalt an Säuren – AHA, BHA, PHA – kann überwältigend sein. In diesem umfassenden Guide erklären wir dir jede einzelne Säure, für welchen Hauttyp sie geeignet ist und welche Produkte du in deutschen Drogerien und Apotheken findest.

Was ist chemische Exfoliation?

Bei der chemischen Exfoliation lösen Säuren die „Klebstoffe“ (Desmosomen) zwischen den abgestorbenen Hautzellen in der obersten Hautschicht auf. Dadurch können sich die alten Zellen lösen und abgetragen werden, ohne dass du rubbeln oder schrubben musst. Das Ergebnis ist ein gleichmäßigeres, glatteres Hautbild.

Im Gegensatz zur mechanischen Exfoliation (Peelingkörner, Bürsten) verursacht die chemische Exfoliation keine Mikrorisse in der Haut. Das macht sie besonders geeignet für empfindliche Haut, Akne-Haut und Haut, die zu Hyperpigmentierung neigt. Allerdings ist die richtige Säure-Wahl und -Dosierung entscheidend.

AHA – Alpha-Hydroxysäuren: Die Allrounder

Alpha-Hydroxysäuren sind wasserlösliche Säuren, die auf der Hautoberfläche wirken. Sie sind ideal für trockene Haut, Sonnenschaden, Pigmentflecken und allgemeine Hauterneuerung. AHAs erhöhen die Feuchtigkeitsbindung in der Haut und stimulieren die Kollagenproduktion – was sie zu echten Anti-Aging-Wirkstoffen macht.

Glykolsaure (Glycolic Acid)

Die kleinste und wirksamste AHA. Glykolsaure hat die geringste Molekülgröße aller AHAs, was ihr die tiefste Penetration ermöglicht. Sie ist der Goldstandard unter den chemischen Exfoliants und wird in Konzentrationen von 5 bis 30 Prozent (für Heimanwendung) verwendet.

Wirkung: Entfernt abgestorbene Hautzellen, stimuliert die Kollagensynthese, hellt Pigmentflecken auf, glättet feine Linien. Studien zeigen, dass Glykolsaure bei regelmäßiger Anwendung die Dermis verdickt und die Kollagendichte erhöht.

Geeignet für: Normale bis trockene Haut, reife Haut, Sonnenschaden, Pigmentflecken. Nicht ideal für sehr empfindliche Haut oder Anfänger, da sie am stärksten irritieren kann.

Konzentration für Einsteiger: 5-8 Prozent. Erfahrene: 10-15 Prozent. Über 15 Prozent nur unter dermatologischer Aufsicht.

Milchsaure (Lactic Acid)

Die sanftere Schwester der Glykolsaure. Milchsaure hat größere Moleküle und dringt daher weniger tief ein, was sie verträglicher macht. Gleichzeitig hat sie eine zusätzliche feuchtigkeitsspendende Wirkung, die Glykolsaure nicht bietet.

Wirkung: Sanfte Exfoliation, Feuchtigkeitsbindung, Aufhellung, Stimulation der Ceramid-Synthese. Milchsaure stimuliert nachweislich die Produktion von Ceramiden in der Haut und stärkt damit die Hautbarriere.

Geeignet für: Empfindliche Haut, trockene Haut, Anfänger, Haut mit gestörter Barriere. Ideal als Einstiegs-AHA.

Mandelsaure (Mandelic Acid)

Die sanfteste AHA mit den größten Molekülen. Mandelsaure dringt am langsamsten in die Haut ein, was sie extrem verträglich macht. Besonderheit: Sie hat zusätzlich antibakterielle Eigenschaften, was sie für Akne-Haut interessant macht.

Wirkung: Sehr sanfte Exfoliation, antibakteriell, aufhellend, porenverfeinernd. Studien zeigen, dass Mandelsaure bei Akne und Hyperpigmentierung ähnlich wirksam sein kann wie Glykolsaure – bei deutlich weniger Irritation.

Geeignet für: Sehr empfindliche Haut, Rosazea-neigende Haut, dunklere Hautöne (die bei aggressiveren Säuren zu post-inflammatorischer Hyperpigmentierung neigen), Akne-Haut.

BHA – Beta-Hydroxysäure: Der Porenreiniger

Salicylsäure (Salicylic Acid)

Salicylsäure ist die einzige relevante BHA in der Hautpflege und unterscheidet sich fundamental von den AHAs: Sie ist öllöslich. Das bedeutet, sie kann in die Poren eindringen und dort Talg, abgestorbene Zellen und Verunreinigungen auflösen. AHAs können das nicht – sie wirken nur auf der Hautoberfläche.

Wirkung: Reinigt die Poren von innen, reduziert Mitesser und Unreinheiten, wirkt entzündungshemmend (Salicylsäure ist chemisch mit Aspirin verwandt), reguliert die Talgproduktion, hat antibakterielle Eigenschaften.

Geeignet für: Fettige Haut, Mischhaut, Akne-Haut, vergrößerte Poren, Mitesser. Die Haut muss nicht unbedingt fettig sein – auch trockene Haut mit verstopften Poren profitiert von gelegentlicher BHA-Anwendung.

Konzentration: In der EU ist Salicylsäure in Kosmetikprodukten auf 2 Prozent begrenzt (in Rinse-off-Produkten). Für Leave-on-Produkte wird typischerweise 0,5 bis 2 Prozent verwendet. Bereits 0,5 Prozent können bei regelmäßiger Anwendung spürbare Ergebnisse liefern.

Besonderheit für Akne: Salicylsäure ist der einzige Exfoliant, der direkt in den Poren wirkt. Bei Akne vulgaris ist sie ein unverzichtbarer Bestandteil der Routine. Sie kann sowohl präventiv (gegen neue Unreinheiten) als auch akut (auf bestehende Pickel) angewendet werden.

PHA – Polyhydroxysäuren: Die sanfte Revolution

PHAs sind die neueste Generation chemischer Exfoliants und die sanfteste Option für empfindliche Haut. Ihre Moleküle sind deutlich größer als die von AHAs, weshalb sie langsamer und gleichmäßiger in die Haut eindringen und weniger Irritationen verursachen.

Gluconolacton (Gluconolactone)

Die bekannteste PHA. Gluconolacton ist ein Zuckerderivat, das nicht nur exfolierend wirkt, sondern auch als Humektant (Feuchtigkeitsbinder) und als Antioxidans fungiert. Studien zeigen, dass Gluconolacton bei gleichem Ergebnis deutlich weniger Irritationen verursacht als Glykolsaure.

Lactobionsäure (Lactobionic Acid)

Lactobionsäure hat neben der exfolierenden Wirkung starke antioxidative Eigenschaften und kann die Matrix-Metalloproteinasen (MMPs) hemmen – Enzyme, die Kollagen und Elastin abbauen. Das macht sie zu einer PHA mit echtem Anti-Aging-Potenzial.

Geeignet für: Sehr empfindliche Haut, Rosazea, Haut nach Laserbehandlungen oder chemischen Peelings, Haut, die AHAs nicht verträgt. PHAs sind auch für Neurodermitiker geeignet, da sie die Hautbarriere nicht schädigen.

Welche Säure für welchen Hauttyp?

Trockene Haut

Erste Wahl: Milchsaure (AHA) 5-10%. Sie exfoliert sanft und spendet gleichzeitig Feuchtigkeit. Alternative: Gluconolacton (PHA) für extrem trockene oder empfindliche Haut.

Fettige Haut mit vergrößerten Poren

Erste Wahl: Salicylsäure (BHA) 1-2%. Sie reinigt die Poren von innen und reguliert den Talg. Ergänzung: Glykolsaure (AHA) 1-2x pro Woche für die Oberflächentextur.

Akne-Haut

Erste Wahl: Salicylsäure (BHA) 2% täglich. Ergänzung: Mandelsaure (AHA) 1x pro Woche für zusätzliche antibakterielle Wirkung und Aufhellung von Post-Akne-Flecken.

Reife Haut mit Sonnenschaden

Erste Wahl: Glykolsaure (AHA) 10-15%. Die tiefste Penetration und stärkste Kollagenstimulation. Alternative: Milchsaure für empfindlichere reife Haut.

Empfindliche Haut / Rosazea

Erste Wahl: Gluconolacton oder Lactobionsäure (PHA). Keine AHAs oder BHAs ohne dermatologische Beratung. Alternative: Mandelsaure in niedriger Konzentration (5%).

Mischhaut

Strategie: BHA auf die T-Zone (Stirn, Nase, Kinn) und AHA auf die trockeneren Wangen. Oder ein Kombinationsprodukt mit niedrigen Konzentrationen beider Säuretypen.

Konzentrations-Guide: So dosierst du richtig

Weniger ist bei Säuren fast immer mehr. Hier ein Überblick über empfohlene Konzentrationen:

  • Glykolsaure: Anfänger 5-8%, Fortgeschrittene 10-15%, Professionell 20-30%
  • Milchsaure: Anfänger 5%, Fortgeschrittene 10%, Maximum 15%
  • Mandelsaure: Anfänger 5%, Fortgeschrittene 10%, Maximum 15%
  • Salicylsäure: EU-Maximum 2% (Leave-on), Einstieg bei 0,5%
  • Gluconolacton: 5-15% (gut verträglich auch in höheren Konzentrationen)

Häufigkeit: Wie oft ist zu oft?

Der häufigste Fehler bei chemischen Peelings ist die Überexfoliation. Beginne immer langsam:

  • Woche 1-2: Einmal pro Woche, abends
  • Woche 3-4: Zweimal pro Woche, wenn keine Irritationen auftreten
  • Ab Woche 5: Maximal drei- bis viermal pro Woche für AHA/BHA
  • PHAs: Können bei guter Verträglichkeit täglich verwendet werden

Warnsignale für Überexfoliation: Brennen, Rötungen, Schuppigkeit, glänzende/wachsartige Hautoberfläche, plötzliche Empfindlichkeit gegenüber Produkten, die vorher vertragen wurden.

Sonnenschutz: Die nicht verhandelbare Regel

Alle chemischen Exfoliants – insbesondere AHAs – erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut erheblich. Studien zeigen, dass AHA-Anwendung die UV-Empfindlichkeit um bis zu 45 Prozent steigern kann. Das bedeutet: Ohne täglichen Sonnenschutz (mindestens LSF 30) darfst du keine Säuren verwenden. Das gilt auch im Winter und bei bewölktem Himmel.

Die besten Säure-Produkte in deutschen Drogerien und Apotheken

dm / Rossmann

  • Balea Beauty Expert AHA Peeling Serum (ca. 5 €) – Glykolsaure + Milchsaure, sanfte Einstiegskonzentration
  • Balea Beauty Expert BHA Serum (ca. 5 €) – 2% Salicylsäure, ideal für ölige Haut
  • CeraVe SA Glättendes Reinigungsgel (ca. 12 €) – Salicylsäure mit Ceramiden, bei Rossmann und dm

Apotheke

  • La Roche-Posay Effaclar Serum (ca. 30 €) – Salicylsäure + Glykolsaure + Niacinamid
  • Eucerin DermoPure Hautbilderneuerndes Serum (ca. 20 €) – 10% Hydroxykomplex mit AHA
  • Avene Cleanance Comedomed (ca. 18 €) – AHA-Komplex für akneanfällige Haut

Online / Douglas / Flaconi

  • The Ordinary Glycolic Acid 7% Toning Solution (ca. 9 €) – Der Klassiker, große Flasche
  • The Ordinary Lactic Acid 5% + HA (ca. 7 €) – Sanfte Milchsaure mit Hyaluronsäure
  • Paula’s Choice 2% BHA Liquid Exfoliant (ca. 32 €) – Der Goldstandard unter den BHA-Produkten
  • COSRX BHA Blackhead Power Liquid (ca. 18 €) – Koreanischer Favorit mit Betaine Salicylate

Fazit: Finde deine perfekte Säure

Chemische Exfoliants sind ein mächtiges Werkzeug für strahlende, glatte und gesunde Haut. Der Schlüssel liegt in der richtigen Wahl für deinen Hauttyp und in der behutsamen Einführung. Beginne mit einer niedrigen Konzentration, steigere langsam, und vergiss niemals den Sonnenschutz. Wenn du unsicher bist, starte mit einer PHA oder einer niedrig konzentrierten Milchsaure – du kannst dich immer noch steigern. Deine Haut wird es dir mit einem Strahlen danken, das von innen zu kommen scheint. Gib der Säure Zeit, ihre Magie zu entfalten, und du wirst verstehen, warum chemische Exfoliation als einer der effektivsten Schritte in jeder Hautpflegeroutine gilt.

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